Fleischessen neuer trend

Galt der Fleischkonsum in den Sozialen Medien lange Zeit als etwas, wofür man sich rechtfertigen musste, so scheint es diesbezüglich eine Trendwende zu geben. Fleisch kehrt zurück. Nicht leise, sondern sichtbar, selbstbewusst und teilweise provokant. Zwischen Steak-Postings, Carnivore-Diäten und der Inszenierung vom Braten als Selfcare stellt sich jedoch eine entscheidende Frage: Ist das wirklich ein Fortschritt? Denn abseits der ideologischen Schlacht zwischen „vegan“ und „Fleisch“ braucht es vor allem eines: eine sachliche, verantwortungsvolle Perspektive, die Tierwohl, Umwelt und Gesundheit gemeinsam in den Blick nimmt.

Fleischkonsum: ein ewiger Trend

Die Wahrheit zuerst: Von einem Trend in Bezug auf den Verzehr von Fleisch zu sprechen ist natürlich etwas überzogen. Das Wort Trend setzt nämlich voraus, dass dieser gerade erst einsetzt. Da Fleisch als Lebensmittel jedoch immer schon recht beliebt war, liegt Fleischessen sozusagen im Dauertrend.

Zum Überblick: Im Jahr 2024 lag der Pro-Kopf-Fleischkonsum bei 58,0 Kilogramm – ein Plus von 0,4 Kilogramm gegenüber 2023. Auch im ersten Halbjahr 2025 lag der durchschnittliche Fleischverbrauch Pro-Kopf bei 1,1 Kilo Fleisch pro Woche.

Der Fleischkonsum liegt in vielen Industrieländern daher immer noch weit über den empfohlenen Mengen. Was natürlich auch Folgen für die menschliche Gesundheit, die Umwelt und das Tierwohl hat. Während die Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine wöchentliche Verzehrmenge von rund 300 Gramm Fleisch pro Person empfiehlt, liegt der Durchschnittskonsum, wie wir gehen haben, weit darüber.

Fleisch als Trend und was Gwyneth Paltrow damit zu tun hat

Fleisch als Trend zu bezeichnen scheint daher etwas übertrieben oder untertrieben, wie man es eben auslegen will. Dennoch ist, vor allem bei bestimmten gesellschaftlichen Gruppen, die vorher eher Fleischlos unterwegs waren, eine Form der Rückkehr zum Fleisch zu erkennen.

Unlängst hat Hollywood-Star und Health-Queen Gwyneth Paltrow nämlich mit einer eher unscheinbaren Äußerung für Aufsehen gesorgt. Die Schauspielerin, die oft als Aushängeschild eines gesundheitsbewussten, aber auch vegetarischen Lifestyles gilt, sprach in einem Video über Weihnachtsgeschenke darüber, dass das beste Geschenk, das sie je bekommen habe, ein Fleischthermometer gewesen ist.

Fleischthermometer? Würde gerätselt. Nicht so sehr wegen des Thermometers, sondern vielmehr darüber, wofür Paltrow diesen genau benötigt. Gilt sie doch seit längerem als Vegetarierin. Doch siehe da, nachdem sich die Health-Ikone über ein Jahrzehnt vegetarisch ernährte, isst sie tatsächlich wieder Fleisch.

Fleisch als Trend in den Sozialen Medien

Gwyneth Platrow fungiert hierbei jedoch nur als eine Art Beispiel für einen Trend, der auch in den Sozialen Medien immer mehr zu beobachten ist. Fleisch war dort nämlich lange Zeit mehr als nur ein Nahrungsmittel. Es war ein Statement. Wer es konsumierte, sah sich oft mit Rechtfertigungen konfrontiert, innerlich wie äußerlich.

Doch dieser Umgang scheint sich gerade spürbar zu verändern. In sozialen Netzwerken wird der Fleischkonsum nämlich plötzlich neu inszeniert: Steaks tauchen wieder selbstverständlich in Feeds auf, manchmal begleitet von dem Hinweis „weniger, aber besser“. Immer öfter aber auch als Teil eines gesunden Lifestyles. Auf TikTok werden Braten und Burger präsentiert, als wären es die neuen veganen Superfood-Bowls. Ehemalige Veganer:innen berichten auch vermehrt von glänzender Haut, kräftigerem Haar und mehr Energie, seit sie wieder Fleisch essen – was wissenschaftlich natürlich nicht bewiesen ist!

In manchen Online-Communities geht der Trend sogar noch weiter, bis ins Extreme. Dort propagieren einige Influencer sogar eine rein tierische Ernährung. Ohne Obst oder Gemüse. In ihren Einkaufsvideos zeigen sie Körbe voller Eier, Fleischstücke in allen Variationen und gelegentlich etwas Fisch zur Abwechslung. Diese sogenannten „Meatfluencer“ prägen zunehmend die Debatte und den Algorithmus, und beeinflussen damit auch, wie die Nutzenden über Ernährung denken.

Ideologisches Schlachtfeld

Der Trend zu mehr Fleisch, von dem wir ohnehin schon Zuviel essen, ist dabei psychologisch sehr aufgeladen. Viele dieser Meatfluencer tragen nämlich, statt eine Befürwortung für nachhaltiges Fleisch, vielmehr ihre rein persönliche und ablehnende Haltung gegenüber Veganer:innen nach außen.

Was dabei häufig untergeht: Essen ist nie nur Privatsache. Unsere Entscheidungen am Teller haben nämlich Auswirkungen auf Umwelt, Klima, Tierwohl und globale Gerechtigkeit. Welche Art von Fleisch wir essen – und vor allem wie viel davon – ist daher immer auch eine gesellschaftliche Frage. Ernährungsgewohnheiten werden nämlich von sozialen, kulturellen und sozioökonomischen Faktoren beeinflusst.

Das Argument: Fleisch enthalte alle neun essenziellen Aminosäuren sowie wichtige Mikronährstoffe wie B-Vitamine, Eisen und Zink, wobei pflanzliche Lebensmittel dagegen häufig limitierende Aminosäuren aufweisen, ist zwar korrekt. Doch es lässt sich auch mit veganer Ernährung, beispielsweise durch Kombinationen mit Getreide und Hülsenfrüchten, ein vollständiges Aminosäureprofil erreichen, was Meatfluencer oft ignorieren.

Fazit: Wenn Fleisch, dann weniger und Bio!

Abseits der ideologischen Schlacht zwischen „Vegan“ und „Fleisch“ braucht es vor allem eine sachliche Perspektive abseits kontemporärer Trends, die Tierwohl, Umwelt und Gesundheit gemeinsam in den Blick nimmt. Fleisch sollte daher nur dann akzeptabel sein, wenn es aus ökologischer Haltung stammt. Also mit deutlich höheren Tierschutzstandards, ohne synthetische Pestizide im Futter und mit strengeren Vorgaben für Umwelt- und Ressourcenschutz, produziert worden ist.

Vor diesem Hintergrund spricht natürlich vieles dafür, den eigenen Konsum insgesamt zu reduzieren. Für Klima, Biodiversität und globale Ernährungssicherheit ist es besser, Fleisch eher die Ausnahme als den Standard sein zu lassen. Das pragmatische Fazit lautet daher: Fleisch ja – aber wenn, dann seltener, bewusster und in bestmöglicher Bio‑Qualität.


Titelbild © José Ignacio Pompé via unsplash