
Lebensmittel sind in den vergangenen Jahren spürbar teurer geworden. Für viele Haushalte ist der Wocheneinkauf längst ein Rechenbeispiel bzw. eine wirtschaftliche Herausforderung. Bio-Produkte gelten dabei oft als erstes Einsparpotenzial. Doch ein genauer Blick auf die Zahlen zeigt: Gerade Bio-Lebensmittel waren von der Inflation deutlich weniger betroffen als konventionelle Produkte, so dass sich die Endpreise bei vielen Produkten mittlerweile recht gut angeglichen haben. Ein überraschender Befund, der mit gängigen Vorurteilen aufräumt.
Österreich: Ein starkes Bio-Land
Österreich zählt international zu den Vorreitern im Bio-Bereich und ist mit 27,3 Prozent Bio-Flächenanteil in der Landwirtschaft führend in der EU, nur wenige Länder erreichen vergleichbare Werte.
Doch das ist noch nicht alles. Laut aktuellen Daten beträgt der mengenmäßige Bio-Marktanteil in Österreich 13 Prozent aller Lebensmitteleinkäufe, während der wertmäßige Anteil im Lebensmitteleinzelhandel bei rund 11,5 % liegt. Damit hat sich der Bio-Anteil am Umsatz im Lebensmitteleinzelhandel in den letzten zwei Jahrzehnten verdreifacht.
Ausgaben für Bio-Produkte
Auch was den direkten Konsum von Bio-Produkten angeht ist Österreich im Spitzenfeld der EU. Wie der deutsche Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft 2022 herausgefunden hat, tätigen pro Jahr die höchsten Ausgaben pro Kopf für Bio-Produkte die Schweizerinnen und Schweizer mit 437 Euro und die Dänen und Däninnen mit 365 Euro, gefolgt von Österreich (274 Euro).
Das zeigt: Bio ist längst kein Nischenthema mehr, sondern fester Bestandteil des Einkaufsalltags vieler Menschen. Bemerkenswert ist dabei vor allem, dass der Bio-Anteil selbst in Zeiten hoher Teuerung nicht eingebrochen ist. Ganz im Gegenteil: Er liegt sogar über dem Niveau der Jahre vor der Inflationskrise. Das alles deutet darauf hin, dass Konsument:innen in Österreich Bio nicht als Luxus, sondern als bewusste Qualitätsentscheidung sehen.
„Bio hat sich auch in der schwierigen Situation der allgemeinen Teuerung als krisenfest erwiesen. Trotz widrigster wirtschaftlicher Rahmenbedingungen ist der Bio-Umsatz – sogar im Vergleich zum Rekordjahr 2021 – gestiegen und hat mit 11,5 Prozent Bio-Anteil ein neues Allzeit-Jahreshoch erreicht. Das ist bemerkenswert! Und es bestätigt in eindrucksvoller Weise einmal mehr, dass die Konsumentinnen und Konsumenten in Österreich starke und verlässliche Partner der biologischen Landwirtschaft und der Biobäuerinnen und Biobauern sind“, zeigt sich die ehemalige BIO AUSTRIA Obfrau Gertraud Grabmann erfreut.
Weniger abhängig von Krisenfaktoren
Ein zentraler Grund, warum Bio-Produkte preisstabiler sind, liegt dabei vor in ihrer Produktionsweise. Die biologische Landwirtschaft arbeitet ohne chemisch-synthetische Dünger und Pestizide, also Hilfsmitteln, die stark von Erdgas und anderen fossilen Ressourcen abhängig sind. Genau diese Faktoren haben sich in der Energiekrise jedoch massiv verteuert. Mit eben direkten Auswirkungen auf die Preise konventioneller Lebensmittel.
Bio-Betriebe profitieren dabei von einer Wirtschaftsweise, die deutlich weniger abhängig von globalen Energie- und Rohstoffmärkten ist. Sie arbeiten, wie schon erwähnt, ohne mineralische Stickstoffdünger, benötigen insgesamt weniger Energie in der Produktion, setzen auf funktionierende Kreisläufe am Betrieb und füttern ihre Tiere überwiegend mit regional erzeugtem Futter. Diese Struktur macht Bio nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern auch wirtschaftlich widerstandsfähiger in Krisenzeiten.
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache
Während die Preise für Lebensmittel insgesamt stark gestiegen sind, fiel der Preisanstieg bei Bio deutlich moderater aus. In manchen Fällen lagen die Teuerungsraten bei Bio-Produkten nicht einmal halb so hoch wie bei konventioneller Ware.
Auch Preisvergleiche im Handel zeigen: Bio-Warenkörbe sind teilweise nur minimal teurer geworden – und damit deutlich unter der allgemeinen Inflationsrate geblieben. Das widerspricht dem verbreiteten Bild vom „unleistbaren Bio“ deutlich. Vor allem gibt es auch Studien, die bestätigen, das Bio für jeden Menschen leistbar ist.
Bio als Wertentscheidung – nicht als Luxus
Studien und Umfragen zeigen außerdem: Bio wird zunehmend als Qualitäts- und Wertmerkmal wahrgenommen. Für viele Konsument:innen steht Bio für Tierwohl, Umweltverantwortung, Gesundheit und Transparenz. In Zeiten, in denen Geld bewusster ausgegeben wird, gewinnt genau dieser Aspekt an Bedeutung.
Oder anders gesagt: Wenn Menschen sparen, sparen sie nicht unbedingt bei dem, was ihnen wichtig ist. Und wenn eine qualitativ Hochwertige Ernährung immer wichtiger wird, dann ist es auch folgerichtig, dass Konsument:innen auch bereit dazu sind, mehr zu investieren.
Titelbild © Tara Clark via unsplash
