Webinar

Das überaus gut besuchte Online-Format der ARGE Nahtürlich BIO bot in eineinhalb Stunden einen intensiven wie auch produktiven Wissenstransfer. Zu den Gästen zählten Dr. Anita Idel, die die Wirkung von Weidehaltung und Mikrobiomen auf Klima und Ökosysteme beleuchtete, sowie DI Manuel Winter, der praxisorientierte Ansätze zur betrieblichen Optimierung in der Bio-Rinderhaltung vorstellte.

ARGE natürlich Bio – Auftakt ins Jahr 2026

Zu Beginn des 3. Webinars zum Thema BIO-Rinderhaltung erläuterte Lukas Hochwallner von der Biobäuerlichen Vermarktung die Struktur und Zielsetzung der ARGE Nahtürlich BIO, Bio-Produkte stärker in Gastronomie, Großküchen und Handel zu verankern.

Mehr darüber unter https://www.biofleischinfo.at/

Das Jahr der Biobäuerinnen

Ein besonderer Fokus im Jahr 2026 liegt dabei auf der Sichtbarkeit der Biobäuerinnen. Unter dem Motto „Jahr der Biobäuerin“ soll die Rolle der Frauen in der nachhaltigen Landwirtschaft in den Mittelpunkt gerückt werden. Mit Aktionen, Bannern, Social-Media-Kampagnen und Exkursionen soll das Engagement und der Beitrag biologischer Betriebe stärker ins öffentliche Bewusstsein getragen werden.

Aktuelle Marktsituation

Im Rahmen des 3. Webinars zur Bio-Rindfleischproduktion wurde von Thomas Reisinger die Marktlage im Jahr 2025 ausführlich analysiert. Das vergangene Jahr zeigte sich dabei als außergewöhnlich dynamisch und stellte alle Beteiligten am Markt vor neue Herausforderungen und Chancen zugleich.

Nachdem sich die Preise in den Vorjahren relativ stabil entwickelt haben, kam es 2025 zu einem deutlichen Preisanstieg. Insbesondere im Bereich der Bio-Kühe. Hauptgrund dafür war die starke Exportnachfrage. Ab Herbst 2025 kühlte sich der Markt dann wieder ab, befindet sich derzeit jedoch auf einem gesunden, stabilen Niveau.

Tierwohl das nach der Stalltüre nicht aufhört

Neben den Marktkennzahlen betonten die Referenten Lukas Hochwallner und Thomas Reisinger auch die Bedeutung von Regionalität, Tierwohl und vor allem die Relevanz einer respektvollen Schlachtung. Denn für einen jeden Biobauern, eine jede Biobäuerin soll Bio nach der Stalltüre natürlich nicht vorbei sein. Es ist daher wichtig, einen geeigneten Schlachthof zu finden. Da muss man natürlich genau hinschauen, betont Reisinger. Ein guter Schlachthof braucht geschultes Personal und einen Top Stall, wo die Rinder stressfrei zur Schlachtung und zur Betäubung gebracht werden.

Die Firma Sonnberg bietet genauso eine ethische Schlachtung an. Und dessen kann man sich auch versichern, denn jeden letzten Mittwoch im Monat gibt es eine Führung, zu der man sich ganz einfach anmelden kann.

Koevolution von Weidetieren und Grasland – das verborgene Klimapotenzial

Im anschließenden Fachvortrag von Dr. Anita Idel stand die lange gemeinsame Entwicklung („Koevolution“) von Weidetieren und Grasland im Zentrum. Vor allem ging es um  ihr enormes, oft unterschätztes Potenzial für Klimaschutz, Biodiversität und Bodenfruchtbarkeit.

Dr. Idel spannte einen weiten Bogen: Über 20 Millionen Jahre dauerte die evolutionäre Zusammenarbeit zwischen Grasarten und Weidetieren, ein Prozess, der Grasland zum erfolgreichsten Ökosystem der Erde machte. Heute bedeckt es rund 70 % der landwirtschaftlich genutzten Fläche weltweit und spielt eine entscheidende Rolle für den globalen Kohlenstoffkreislauf.

Gräser: Partner im Klimaschutz

Gräser können, ökologisch intakt und richtig bewirtschaftet, bis zu 50 % mehr Kohlenstoff im Boden speichern als Wälder, was sie zu unersetzlichen Partnern im Klimaschutz macht. Entscheidend ist dabei jedoch eine angepasste, respektvolle Weidewirtschaft, die Nährstoffkreisläufe fördert und das natürliche Zusammenspiel zwischen Bodenleben, Pflanzen und Tieren erhält.

Ein dichtes mikrobielles Netzwerk

Besonders eindrücklich schilderte Idel, dass sich das Leben im Grasland in dichten mikrobiellen Netzwerken abspielt: Vom Pflanzen- über das Bodenmikrobiom bis hin zum Verdauungssystem der Wiederkäuer findet ein ununterbrochener Austausch von Mikroorganismen statt.

Dieser biologische Kreislauf sichert nicht nur Bodenfruchtbarkeit, sondern wirkt sich – über die Tiere – auch positiv auf den Menschen aus. Langzeitstudien zeigen, dass Kinder, die auf Milchviehbetrieben aufwachsen, seltener an Allergien oder Autoimmunkrankheiten leiden.

Die Grundprinzipien der perfekten Weidehaltung

Darauf folgte der Vortrag von Manuel Winter. Seine Kernthese: Je naturbelassener und weideorientierter Wiederkäuer gehalten werden, desto nachhaltiger und meist auch wirtschaftlicher ist das System. High-Input-Systeme schneiden bei ganzheitlicher Betrachtung, Winter zufolge, nämlich selten besser ab als eine gut geführte Weidehaltung. Entscheidend ist jedoch, dass die Kuh als Wiederkäuer genutzt wird, also Grasland statt Kraftfutter aus Ackerbau. Winter zeigt, dass durch kluges Management Erträge gegenüber zu häufiger Nutzung massiv gesteigert werden können, und das ohne mehr Input.

Erfolgreiche Weidesysteme

Laut Winter hängen erfolgreiche Weidesysteme von einem klugen Management der Rastzeiten ab. Während Kurzrasenweiden in bestimmten Lagen sinnvoll sind, bieten Koppelweiden mit intensiver Kurzzeitbeweidung und längeren Regenerationsphasen meist stabilere Erträge und widerstandsfähigere Pflanzenbestände.

Auf der Tierseite spielen folgende  entscheidende Faktoren eine Schlüsselrolle:

  • saisonale Abkalbung im Frühjahr zur besseren Nutzung des Weidefutters,
  • angepasste Besatzdichte und
  • Tieralter zur effizienten Futterverwertung
  • sowie genetisch robuste, weidefähige Kühe mit kompaktem Körperbau.

Artenreiche Weidebestände aus Gräsern, Klee und Kräutern erhöhen zusätzlich die Trockenresistenz, der Ertrag und die Biodiversität. Zusatzpflanzen wie Esparsette fördern Tiergesundheit und senken Emissionen. Integrative Ansätze, etwa Weidemast in der Fruchtfolge, verbessern die Nährstoffkreisläufe.

Winters Fazit: Wirtschaftliche Weidehaltung basiert nicht auf Hightech, sondern auf ganzheitlichem Denken, passender Genetik, saisonaler Abkalbung und flexiblem, beobachtungsbasiertem Weidemanagement.

Fazit

Das dritte Webinar der ARGE NahtürlichBIO war ein voller Erfolg. Sowohl für die zahlreichen Teilnehmer:innen (knapp 100) als auch für die Referent:innen und Organisatoren. Der intensive Austausch, die fundierten Einblicke und die praxisnahen Diskussionen haben erneut gezeigt, wie groß das Interesse an aktuellen Entwicklungen im Bereich Biofleisch ist.


© ARGE Nahtürlich BIO