ESC Bio

Lange Zeit galt Bio als ein Lebensmittel für die, die es sich leisten können. Doch ein gesellschaftlicher Umschwung findet statt, der Biolebensmittel in die Mitte der Gesellschaft katapultieren könnte. Was vor allem der Eurovision Song Contest 2026 in Wien damit zu tun hat, erfährst du im Artikel.

Wie Bio zur Selbstverständlichkeit wird

Bio galt lange als Ausdruck eines sogenannte „bewussten Lebensstils“. Eine Art zu leben, die eine gewisse  Haltung, Zeit, Überzeugung, aber vor allem auch Geld voraussetzt. „Bio, das ist doch etwas für Reiche“, hieß es lange und das obwohl eine Studie zu dem Ergebnis gekommen ist, dass Bio im Grunde für alle leistbar ist.

Doch genau dieses verzerrte Bild beginnt sich zu verschieben. In seinem Kommentar „Wird Bio vom Lebensstil zur Selbstverständlichkeit?“ beschreibt Thomas Weber nämlich, wie Bio zunehmend aus der Nische heraustritt und immer mehr in der gesellschaftlichen Mitte ankommt. Seine zentrale These: Bio ist nicht mehr nur ein Statement, sondern steht kurz davor, zum neuen Normal zu werden. Doch wie ist das passiert? Wie wird das passieren?

Bio auf dem Vormarsch: Weg aus der Nische

Weber macht deutlich, dass Bio längst kein Randphänomen mehr ist. Trotz wirtschaftlicher Krisen, Inflation und Teuerung ist der Absatz von Bioprodukten in Österreich nämlich stabil geblieben. Getragen wurde diese Entwicklung vor allem von jenen gesellschaftlichen Gruppen, die Qualität, Nachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit höher bewerten als kurzfristige Preisvorteile. Bio hat somit bewiesen, dass es krisenfest ist. Ein starkes Signal für seine Relevanz.

Zielgruppenanalyse: Wer Bio trägt – und wer Bio wachsen lässt

Ein zentraler Punkt in Webers Analyse ist die Betrachtung des sogenannten Sinus-Milieus. Während die Kategorien der „Performer“ und „Postmaterielle“ seit Jahren als klassische Bio-Zielgruppen gelten, und der Oberschicht bzw. oberen Mittelschicht angehören, rückt nun eine andere Gruppe in den Bio-Fokus: die „adaptiv-pragmatische Mitte“. Sie ist mit rund 1,3 Millionen Menschen das größte Milieu in Österreich und damit entscheidend für die Zukunft von Bio.

Diese Gruppe vertritt dabei die Mittelschicht, aber auch die untere Mittelschicht, und kauft Bio bisher weniger aus ideologischer Überzeugung, sondern ganz situativ. Wenn es verfügbar, verständlich und leistbar ist. Genau hier liegt, laut Weber, der Schlüssel. Wenn Bio es schafft, für diese Menschen selbstverständlich zu werden, ohne moralischen Zeigefinger, aber mit Qualität, Genuss und vor allem Alltagstauglichkeit, dann wird Bio endgültig in der Breite der Gesellschaft ankommen.

Bio ist längst Teil der Gesellschaft

Dass Bio bereits fest im gesellschaftlichen Alltag verankert ist, zeigt sich besonders deutlich im öffentlichen Raum. Vor allem bei den Christkindlmärkten am Wiener Karlsplatz oder in Baden bei Wien. Das Speise- und Getränkeangebot der dort teilnehmenden Gastronom:innen ist nämlich vielfältig und ausschließlich in feinster Bio-Qualität erhältlich. Auch der Wiener Rathausplatz erreicht bereits einen Bioanteil von über 80 Prozent bei Lebensmitteln und Getränken. Veranstaltungen wie der Wärmepol-Weihnachtsmarkt in Linz oder der Salzburg Marathon zeigen ebenfalls, dass Bio auch dort funktioniert, wo viele Menschen zusammenkommen. Logistisch, wirtschaftlich und kulinarisch.

Der ESC als Bio-Zukunftstest

Besonders symbolträchtig ist laut Thomas Weber vor allem der Blick auf den Eurovision Song Contest 2026 in Wien. Wenn nämlich eines der größten Events Europas mit einem Bioanteil von mindestens 60 Prozent umgesetzt wird, wäre das mehr als ein Prestigeprojekt. Es wäre der Beweis dafür, dass Bio auch im ganz großen Maßstab funktioniert. Und das ohne explodierende Kosten. Genau das, so Weber, könnte den entscheidenden Wendepunkt markieren. Gelingt dieses Bio-Großereignis, wird Bio nicht mehr diskutiert, sondern vorausgesetzt werden, so seine Annahme.

Auch die Bio-Metzgerei Sonnberg ist als Partner beim ESC 2026 in Wien mit dabei:

„Wenn Bio im Rahmen eines internationalen Großevents wie dem ESC sichtbar wird, kann es seine volle Wirkung entfalten. Genau deshalb sind wir von Sonnberg dabei: Diese Plattform erreicht viele Menschen, regt zum Nachdenken an und bietet die Chance, Bio stark, selbstbewusst und zeitgemäß zu präsentieren.“, erklärt Thomas Reisinger von Sonnberg Biofleisch

Bio als neuer Mindeststandard

Thomas Weber kommt zu einem klaren Schluss. Wenn Bio für die breite Mitte attraktiv, zugänglich und selbstverständlich wird, dann ist es nicht mehr aufzuhalten. Die Auszeichnung Wiens als „Best Organic City“ zeigt, dass der politische und gesellschaftliche Rahmen vorhanden ist, diesen Schritt auch umzusetzen. Nun geht es darum, Bio nicht länger als Sonderlösung zu behandeln, sondern als neuen Mindeststandard zu etablieren.

Bio wird damit vom bewussten Lebensstil zur alltäglichen Realität, getragen von Qualität, Transparenz und dem wachsenden Verständnis, dass nachhaltiger Konsum kein Verzicht ist, sondern ein Gewinn für alle.


Titelbild © Sarah Louise Bennett_EBU